Soyon people of Kara Köl

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One of the first scholars to record the languages of the various Turkic speaking peoples living in southern Siberia was Wilhelm Radloff, who between 1859 and 1870 traveled the region extensively. In the summer of 1861, Radloff paid a four day visit to the Soyon (i.e. Tuvan) people of Kara Köl, located in what is today the province of Bay-Tayga in the northwest of Tuva:


[163] Tagebuch meiner Reise zu den Sojonen im Jahre 1861.

[…]

[171] (Den 4. Juli.) […]

[172] Am Nachmittage erreichten wir am Mön, nicht weit vom Kara Köl (schwarzen See), auf einer grossen, hellleuchtenden Wiesenfläche sechs Sojonenjurten. Da die Sojonen überall im Lande als Diebe berüchtigt sind, so liess ich aus Vorsicht meine Pferde und Gepäck auf einer Stelle sammeln und begab mich in Begleitung dreier Tölös in die Jurte des sojonischen Aufsehers (Schangda).

Die Jurte war, nach Art der altajischen, eine Filzjurte in Zuckerhutform; auch ihre innere Einrichtung hatte nichts Abweichendes von den altajischen Jurten. Der Sojone trat mir entgegen und begrüsste mich, indem er meine beiden Hände ergriff und seine Stirn zu ihnen niederbeugte. Alsdann nötigte er mich unter vielen Zeremonien und Verbeugungen, Platz zu nehmen. Hierauf holte er einen weissen, ledernen Riemen von Ziegenleder hervor und ersuchte mich, ihn als Ehrenzeichen zu behalten. Da dieser Sojone häufig am Tscholyschman gewesen, so verstand er genugsam den teleutischen Dialekt, um sich mir verständlich zu machen. Ich teilte ihm mit, ich hätte die Absicht nach dem Abakan zu gehen, da aber meine Pferde ermüdet und angegriffen seien, so gedächte ich mich hier 3-4 Tage aufzuhalten. Ich sagte ihm ferner, wie ich erfahren, dass bei den Sojonen der Aufenthalt von Fremden gefährlich sei und dass die Sojonen fremdes Eigentum nicht achteten. Darnach machte ich ihm begreiflich, dass ich von meiner Regierung Befehl erhalten habe, diese Gegenden zu bereisen, und da der weisse Chan und der gelbe Chan (der chinesische Kaiser) Freunde seien, so würde ich mir nicht die geringste Unbill gefallen lassen, sondern sogleich beim chinesischen Gouverneur, der mich persönlich kenne, mir gutes Recht verschaffen. Ich forderte ihn daher auf, seinen Leuten die nötigen Befehle zu erteilen. Diese Worte schienen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn er versicherte mir, dass ich in der ganzen Welt nicht so sicher sein würde wie hier. Wir könnten unsere Pferde frei herumlaufen lassen und [173] brachten unser Gepäck nicht zu bewachen, nicht das Geringste würde mir abhanden kommen. Hierauf reichte er mir eine Schale Kumys und sein Fläschchen mit Schnupftabak. Ich liess mein Zelt nicht weit von seiner Jurte aufschlagen.

(Den 5. bis 7. Juli.) Die Versprechungen, die mir der Schangda gemacht, hat er treu erfüllt, denn während meines dreitägigen Aufenthaltes in seiner Nähe ist mir auch nicht die geringste Unbill widerfahren. Durch Geschenke vermochte ich ihn sogar dahin zu bringen, uns Proviant, d.h. Hammel und Ziegen, gegen Samt, Leinwand, Uniformknöpfe etc. zu verkaufen.

Über die Sitten der Sojonen habe ich leider nicht viel erfahren können, da sich hier nur sehr wenige Jurten befinden und ich mich hüten musste, durch Fragen Verdacht zu erregen. Die Sojonen sind, so viel ich erfahren, eine sehr bedeutender Volksstamm, der von der russischen Grenze aus südlich das Gebiet des Jenissei bewohnt. Man erzählte mir, dass die hiesigen Sojonen in 14 Saisanschaften zerfallen, an deren Spitze Saisane stehen, die in ihren Amtspflichten denen der Tschuja-Saisane gleichkommen. Über alle diese steht ein Sojonenfürst, Münkö, sowie einige chinesische Offiziere, welche die Tätigkeit des Münkö und der Saisane beobachten. Man sieht hier in China ein Anlehnen der Regierungsmacht an die selbständige Stammverwaltung der Eingeborenen, während in Russland die Regierung überall bei den Eingeborenen eine neue russische Verwaltung eingeführt hat. Die Saisane des Altai sind nur Figuranten der früheren Macht, sie wagen ohne die russischen Beamten nichts zu unternehmen, nichts zu entscheiden. Daher sehen die russischen Beamten auch die Saisane nur wie Dorfälteste an. Dies Verhältnis zwischen Saisanen und Beamten hat die ersteren ihres Ansehens beim Volke beraubt. Schon bei den Dwojedanern geniessen die Saisane eine grössere Unabhängigkeit und stehen auch deshalb in grösseren Achtung beim Volke. Der sojonische Saisan ist in der Tat der einzige örtliche Befehlshaber. Er trägt das Zeichen der übrigen chinesischen Beamten, den Knopf, auf der Mütze. Die Regierung erteilt ihre Befehle dem Volke nur durch Vermittlung der Saisane. Streitigkeiten zwischen den eigenen Untertanen entscheidet der Saisan allein und ihm steht das Recht körperlicher Züchtigung [174] zu. Unter solchen Umständen stellt der Sojone seinem Saisan hoch über sich und beugt vor ihm das Knie, wenn er sich ihm nähert, wagt es auch nie, sich in seiner Gegenwart niederzusetzen, wenn ihm nicht die Erlaubnis dazu erteilt wird. Unter den Saisanen steht ein Heer von Unterbeamten, Temitschi’s, Targa’s und Schangda’s, die die Befehle des Saisans vollziehen und ihm Berichte über die Verhältnisse der Untertanen abstatten.

Alle Sojonen sind Nomaden und treiben ausschliesslich Viehzucht. Ihr grösster Reichtum besteht im Rindvieh; Schaf- und Ziegenherden sind bei ihnen unbedeutender, am wenigsten aber besitzen sie Pferde. Sie wenden daher die Ochsen sowohl zum reiten wie auch zum Transport von Lasten an. Ein alter Sojone war ganz erstaunt darüber, als er erfuhr, dass die Russen nicht auf Ochsen reiten, und versicherte mich, dass der Ochse dem Pferde weit vorzuziehen sei. Er meinte, der Ochse trüge doppelte Pferdelast und hielte zweimal so viel aus wie ein Pferd, dabei verstehe er besser zu klettern und seine Hufe würden weder von Steinen noch vom Wasser beschädigt, was bei den Pferden leider nur zu oft der Fall wäre; an Schnelligkeit und Ausdauer stehe er dem Pferde ebenfalls nicht nach.

Die Sattel, welche die Sojonen ihren Ochsen auflegen, sind ebenso beschaffen wie die Pferdesattel, aber die Ochsen werden nicht gezäumt. Durch die Nasenscheide wird ein Hölzchen gesteckt, an welches ein Strick angebunden ist, dieser wird über die Stirn und zwischen die beide Hörner des Tieres gelegt, und wenn der Reiter den Strick nach rechts oder nach links zieht, zwingt er den Ochsen leicht, sich nach der gewünschten Seite zu wenden. Zieht er den Strick nach hinten, so muss der Ochse den Kopf gerade in die Höhe halten und wird so zum Stehen genötigt. Das Reiten und Belasten der Ochsen geschieht auch nicht selten bei den Tölös am Tscholyschman. Ackerbau treiben die Sojonen nur äusserst wenig und ihre einzige Aussaat ist die Gerste. Dagegen ist die Jagd die Lieblingsbeschäftigung der Sojonen; sie sind als vortreffliche Jäger weit und breit bekannt. Sie ziehen wie die Dwojedaner in Gemeinschaft auf Jagdzüge aus und streifen dann ebenso wie diese wochenlang in den unwirtsamen Gebirgen umher, im Sommer zu Pferde, im Winter auf Schneeschuhen. Auch sie errichten, wie die Tölös, an vielen Orten Hütten aus Zweigen, [175] die im Winter zum Übernachten von den Jägern benutzt werden. Ihre Gewehre beziehen sie von den Mongolen, Pulver verfertigen sie selbst.

Die Speise der Sojonen besteht im Sommer hauptsächlich aus Milch, welche als Quark, Käse, Kumys und Milchbranntwein genossen wird. Dann aus Fleisch von Wild (sie jagen das Wild auch im Sommer des Fleisches wegen, was die Altajer nicht tun), von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindvieh. Pferde und Ochsen, die man zum Reiten oder zum Lasttragen benutzt, werden nicht geschlachtet, da sie behaupten, dass das Fleisch von diesen Tieren hart und nicht schmackhaft sei. Die ärmeren Klassen der Sojonen beschäftigen sich auch mit Wurzelgraben und geniessen Kandyk, Lilienwurzeln, Kalba (allium ursinum) und wilde Rettiche, von denen sie grosse Vorräte für den Winter einsammeln.

Die Güterverteilung ist bei den Sojonen eine sehr ungleiche, es herrscht hier recht ansehnlicher Reichtum neben grauenhafter Armut; letztere ist sogar vielfach überwiegend. Wie bei den Tölös, so leben auch hier die Armen meist auf Rechnung der Reichen. Was aber Pestereff von den Sojonen erzählt, dass sie Leder und sogar Menschenfleisch essen, ist eine Fabel. Meine Führer, die doch ihre Nachbarn sehr gut kennen, brachen in ein lautes Gelächter aus, als ich danach fragte.

Die Sojonen bewohnen Filzjurten wie die Altajer und Dwojedaner. Auch die innere Einrichtung der Jurten ist im Ganzen genommen dieselbe, nur sind hier anstatt der Ledersäcke an den Wänden chinesische Kasten aufgestapelt und der Fussboden bei den Reichen mit Teppichen belegt, was ich nirgends bei den Altajern gefunden habe. Der Hausrat beweist auf den ersten Blick, dass das sie mit Luxusartikeln versehende Volk Chinesen sind.

Die Kleidung ist bei den Männern sehr einfach und besteht aus kurzen ledernen Beinkleidern, Stiefeln und Pelz. Nur reiche tragen Hemden und Röcke aus Baumwollenzeug. Auf dem Kopfe, den sie wie die Altajer scheren, tragen die hiesigen Sojonen mongolische Mützen, die mit schwerem Lammfell besetzt sind. Die Frauen tragen lange Kleider aus Baumwollenzeug oder Pelze. Das Haar tragen sie wie die altajischen Frauen in zwei Zöpfen, nur hängen sie an diese keinerlei Schmuckgegenstände.

[176] Die Sojonen sind bei ihren sämtlichen Nachbarn sehr berüchtigt, sie sollen heimtückisch, diebisch und rachsüchtig sein. Ich kann über sie in dieser Beziehung kein kompetentes Urteil fällen, da mein Aufenthalt hier von zu kurzer Dauer war, um Genaueres zu erfahren.

Die Religion der hier am Kara Köl wohnenden Sojonen ist der Schamanismus, wie bei ihren altajischen Nachbarn; weiter östlich soll bei den Sojonen allgemein der Buddhismus Eingang gefunden haben. Auch hier kann man schon bemerken, dass die mongolischen Nachbarn auf Sitten und Sprache der Sojonen einen weit stärkeren Einfluss ausgeübt haben als auf die Altajer. Selbst hier verstehen mehrere Leute mongolisch zu schreiben.

Ihre Toten legen die Sojonen auf ein Gerüst von Stangen und bedecken sie dann mit ihren Kleidungsstücken. Mir wurde hier in der Nähe ein solches Totengerüst gezeigt. Es war den Opferstellen der Altajer sehr ähnlich, aus vier starken Stangen errichtet. Neben dem Toten lagen sein Zaum, Sattel, und Steigbügel.

Die Angaben der Dwojedaner, dass die Sojonen sich selbst Tuba nennen, fand ich hier bestätigt. Der Schangda sagte mir, dass die hiesigen Einwohner Tuba-Leute (tuba kidji) wären und zum Geschlechte Sojong gehörten. Über andere Geschlechtsnamen und Eigentumszeichen wurde mir jede Auskunft verweigert. Da meine Angaben über die Sojonen sehr unvollkommene sind, will ich hier noch anführen, was der Teleut Tschivalkoff in seiner Lebensbeschreibung von den Sojonen sagt:

“Ich fragte einen Tölös, Namens Pyryng: Ist es vorteilhaft, zu den am Kemtschik wohnenden Sojonen zu reisen und dort Handel zu treiben? Er antwortete: Wenn man zu den Sojonen reist und russische Waren verkauft, so kommen diese auf einen sehr hohen Preis, während sojonische Waren beim Einkauf sehr billig zu stehen kommen. Gegen russische Waren im Werte von einem Rubel Banko tauscht man sojonische im Werte von fünf Rubel Banko ein. Für ein Pfund Tabak nimmt man einen Pelz Filz (d.h. so viel Filz, als zu einem Pelze nötig ist) und dieser kommt bei den Schwarzwald-Tataren auf fünf Rubel Banko zu stehen. Für ein Pfund Eisen gibt man am Kemtschik zwei Schaffelle. Ist nun ein solcher Handel noch so vorteilhaft, so ist es doch gefährlich, mit ihnen Handel zu [177] treiben. Wenn wir dorthin gehen, so gehen wir in Gesellschaft von 20 bis 30 Personen. Gehen nur wenige, so sind es doch immer 10 bis 15 Menschen, denn wenn man dort nicht gut Wache hält, so wird Einem Alles gestohlen.

“Wenn nun viele Leute dorthin gehen, so werden alle Waren an einer Stelle aufgehäuft und mit Filz zugedeckt, den Rand der Filzdecke herunterdrückend, setzt sich die Hälfte der Leute rings herum. Nur einige Leute gehen den Sojonen entgegen und handeln mit ihnen. Einer oder der andere Sojone wird, um zu stehlen, das, was du in der Hand hältst, an sich reissen und davonlaufen; willst du ihm nacheilen und ihn festhalten, so werden in dieser Zeit die Übrigen deine zurückgebliebenen Waren ergreifen und ebenfalls davonlaufen, deshalb rege dich nicht von der Stelle.

“Wenn du dem Saisan etwas schenkst, so wird er dir als Gegengeschenk zurückgeben, dass er dir, bis dein Handel beendigt ist, einen Schangda zur Verfügung stellt. Dieser Schangda hält anstatt eines Schwertes einen Stock in der Hand und wird an deiner Seite Wache stehen; wenn du ihm ein Weniges schenkst, so wird er gut Wache halten, wenn du ihm aber nichts schenkst, so wird er nichts sagen, wenn er auch den Dieb sieht. Bis zu deiner Rückkehr vom Handel müssen ein bis zwei Menschen deine Pferde mit eisernen Fesseln zusammenkoppeln und bewachen, bei Anbruch der Nacht müssen sie sie dagegen herbeiführen, bei dem Hause anbinden und ohne zu schlafen Wache halten. Leute die stehlen wollen, werden sich entkleiden und an der Erde auf dem Bauche herbeigekrochen kommen, die Pferde leise losbinden, sich auf dieselben schwingen und davonreiten. Wenn du hinterher läufst, weil man dein Pferd genommen, so wirst du andere Leute im Rücken lassen, die sich auch entkleidet haben und warten. Sobald diese gesehen haben, dass du fortgegangen bist, werden sie deine noch bei dem Zelte gebliebene Pferde nehmen und davonjagen. Wenn die im Zelte befindlichen Leute Alles liegen lassen und nach den Pferden laufen, weil ihr Freund Jemand verfolgt, so wird unterdessen deine Habe aus dem Zelte gestohlen. Deshalb sind viele Leute notwendig, wenn man zum Kemtschik reisen und Handel treiben will.

“Wenn man sich hat bestehlen lassen und vom Saisan einen Urteilsspruch verlangt, so wird er sagen: “Halte denjenigen, der dich bestohlen, mit der Hand fest und bringe ihn [178] her! so will ich das Urteil sprechen; wenn du den Menschen nicht mit der Hand festgehalten hast, wie soll ich wissen, wer dich bestohlen hat?

“Ein Russe ritt mit zwei Pferde zu den Sojonen, um dort zu handeln. Als er hingeritten, koppelte er seine Pferde mit einer eisernen Fussfessel zusammen, dann richtete er bei seinem Zelte seinen Kessel zu. Die beiden gefesselten Pferde gingen talabwärts und verschwanden; während der Handelsmann nun seinen Kessel zum Kochen brachte, kam ein Mensch mit russigem Gesichte, der nackt war und die Hosenbeine aufgerollt hatte. Dieser setzte sich zu ihm und sagte: Was hast du zu verkaufen?” Indem der Kaufmann seinen Sack hervorholte, schüttete jener Mensch den Henkelkessel um, fasste ihn dann beim Henkel und lief davon. Da warf der Kaufmann seinen Sack bei Seite und lief hinter ihm her. Wenn er ihn auch anfangs erreichte, konnte er doch den nackten Menschen auf keine Weise festhalten. Der Verfolger war angekleidet, so dass er beim Laufen kaum vor Hitze zu atmen vermochte und jenen nicht einholen konnte. Als er wieder bei seinem Zelte ankam, waren andere Leute gekommen und hatten Sack und Ware gestohlen. Als der Kaufmann nun zum Saisan reiten wollte und seine Pferde aufsuchte, hatte man eines der Pferde getötet, den angefesselten Fuss abgehauen und das andere Pferd weggeführt. Da weinte der Bestohlene und ging zum Temitschi, um die Sache anzuzeigen. Der Temitschi aber sagte: “Du Hund mit behaartem Kopfe, weshalb bist du hergekommen, um zu handeln? Wenn die hiesigen Leute deine Waren und dein Pferd genommen haben, wer kann sie verfolgen? Gehe du jetzt lieber deinen Weg nach Hause!” Da weinte der Handelsmann und kehrte zu Fuss nach Hause zurück.”

Die Sojonen am Kemtschik sollen nach dem Berichte Tschivalkoffs zweierlei Stämme bilden: die schwarze Sojonen und die gelbe Sojonen (Kara-Sojong und Sary-Sojong); die schwarzen Sojonen sollen in der Nähe wohnen, die gelben aber weiter landeinwärts. Bei den schwarzen Sojonen gibt es wenige blonde Leute (ich habe gar keinen gesehen), aber viele schwarzhaarige. Ihre Grösse ist bedeutender als die der Altajer, ihre Gesichter aber haben eine längliche Form. Die gelben Sojonen sollen zur Hälfte aus blonden Leuten bestehen, man sagt, dieselben wären geflohene Russen, die sojonische Weiber genommen [179] hätten. Die letztere Angabe Tschivalkoffs beruht auf einem Irrtum, ich habe trotz aller Erkundigungen nichts von blondhaarigen Sojonen erfahren können. Der Stamm Sary Sojong ist hier sehr zahlreich, doch kommt der Name Sary durchaus nicht von der Haarfarbe her. Einige erzählen, fügt Tschivalkoff noch hinzu, die Hälfte der schwarzen Sojonen seien vom Geschlechte der Kirgisen, die sich mit den Sojonen vermischt hätten (die Angabe ist vollkommen richtig). Soweit der Bericht Tschivalkoffs.

Die Sprache der Sojonen ist auch ein türkischer Dialekt, weicht aber so sehr von den Dialekten der Altajer ab, dass Sojonen und Altajer sich nur mit äusserster Mühe verständigen können. Es lässt sich annehmen, dass die Mongolisierung der Sojonen allmählich so weit um sich greifen wird, dass die sojonische Sprache ganz untergeht.

Wie die Tölös erzählen, sollen die Sojonen reich an Liedern sein; mir gelang es hier nur, zwei Märchen und einige Lieder aufzuzeichnen, die aber als einzige Specimina der sojonischen Sprache doch von Wichtigkeit sind. Weiteres Sprachmaterial konnte ich bei meinem kurzen Aufenthalte nicht sammeln.

(Den 8. Juli.) Während unseres Aufenthaltes am Kara Köl hatten wir meist trockenes Wetter, so dass sich unsere Pferde, deren Hufe von den steinigen Wegen und vom Regen sehr angegriffen waren, ziemlich erholt hatten.

Leider begann schon gestern wieder das gewöhnliche schlechte Wetter und unsere Führer beschlossen, da wir heute abreisen wollten, einen Versuch zu machen, gutes Wetter herbei zu zaubern.

Der Glaube an das Bannen der Witterung ist bei allen Völkern des Altai sowie auch bei den Sojonen verbreitet. Es gibt gewisse Familien, in denen sich diese Kraft von dem Vater auf den Sohn vererbt. Einige dieser Wetterzwinger sind weit und breit berühmt und man sagt, dass es Menschen gibt, die das Wetter so beherrschen, dass sie machen können, dass die Sonne dir ins Gesicht scheint und zugleich der Regen den Rücken durchnässt. Zum Besprechen des Wetters bedient man sich eines Wettersteines (jada tasch), der vor mir angewandte war ein Bergkristall. Dieser Stein muss aber gewisse Eigenschaften haben, an denen ihn nur der Eingeweihte zu erkennen vermag, die aber, da sie ein Geheimnis sind, mir nicht mitgeteilt wurden.

[180] Eine Sojonenfrau brachte einen Jada-tasch herbei und einer meiner Führer führte mit diesem die Zeremonie aus. Er befestigte den Stein mit einer fusslangen Schnur an einem Stabe, hielt den Stein zuerst übers Feuer und liess ihn vom Rauche beschlagen, dann schwang er den Stab nach allen Seiten in der Luft umher, während er mit lauter Stimme die Beschwörungsformel sang.

Trotz alles Zauberns war das Wetter nicht besser geworden, und wir verliessen heute früh bei schrecklichem Unwetter den Kara Köl.

References

  • Radloff, W. 1968. Aus Siberien. Lose Blätter aus meinem Tagebuche. Oosterhout. (reprint 1893). pp. 172-180.